Ausdrucksstarke Kraft der Seelsorge

Am 22. November feiern viele Kirchenchöre im Bistum den Gedenktag der heiligen Cäcilia, der Patronin der Kirchenchöre. Ulrich Grimpe, Referatsleiter Kirchenmusik im Bischöflichen Generalvikariat in Münster, stellte sich einem Interview mit Jürgen Kappel (Kirche + Leben).

Welchen Stellenwert haben Kirchenchöre für die Seelsorge einer Gemeinde?

Sängerinnen und Sänger haben häufig eine feste Bindung zueinander. Sie stehen an Wendepunkten des Lebens in Freud und Leid beisammen und leisten so echte Seelsorge füreinander. In der Liturgie können kirchliche Chöre Jubel und Klage, Meditation und Kontemplation in Vertretung für die Gemeinde ausdrücken. Lieder und Gesänge benennen und deuten Glaubensaussagen. Wer in die Gesänge einstimmt, mach sie sich zu eigen. Das Singen hat vielen Menschen über schwere Stunden hinweggeholfen. Kirchliche Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchöre singen zum Beispiel vor Weihnachten in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Sie entfalten durch ihre Musik und ihre Aufmerksamkeit für die Menschen in diesen Einrichtungen eine tiefe seelsorgliche Kraft.

Wie gelingt es, vor allem junge Menschen für das Singen in Kirchenchören zu gewinnen?

Kinder und Jugendliche singen, und sie tun dies gern in Chören. Das belegen aktuelle Statistiken. Ziel muss es heute sein, Kinder und Jugendliche an die Kirchenmusik heranzuführen, um Freude für die Liturgie der Kirche zu wecken. Viele junge Erwachsene erinnern sich an die Zeit in kirchlichen Kinder- und Jugendchören zurück und möchten in Kirchenchören daran anknüpfen. Kirchenchöre sollten bedenken, dass mit jungen Neu-Mitgliedern junge Ideen in die Gemeinschaft gebracht werden. Dort, wo man aufeinander zugeht, Impulse aufgreift, neue Charismen zulässt, blüht das Chorleben auf.

Welche Auswirkungen haben die Fusionen von Pfarrgemeinden auf die Kirchenchöre?

Mancherorts werden Chöre zusammengelegt, andere behalten ihre Selbständigkeit. In unserem Bistum Münster musizieren tausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Gottesdiensten. Oft sind es gerade die Chöre, die neue Beziehungen durch gemeinsame Aufgaben und Projekte herstellen. Denn: Musik stiftet Gemeinschaft, Gemeinschaft mit gott und Gemeinschaft in einer Kirchengemeinde. Wer könnte besser einen integrativen Beitrag für fusionierte Kirchengemeinden leisten als Menschen, die sich aus den früheren Gemeinden zusammenfinden, um festliche Gottesdienste in den Pfarr- und den Filialkirchen musikalisch zu gestalten?

Kirche + Leben vom 21. November 2010