Gesamtansicht freistehender Spieltisch Spieltisch im Detail    

Die Orgel in St. Pankratius wurde 1974 von der Orgelbaufirma Romanus Seifert & Sohn aus Kevelaer erbaut. Das Instrument verfügt über 1.658 Pfeifen. Orgelgehäuse und der freistehende Spieltisch sind aus Eiche gefertigt.

Disposition:

I. Hautpwerk      
1. Pommer 16'
2. Prinzipal 8'
3. Gedackt 8'
4. Oktave 4'
5. Spitzflöte 4'
6. Oktävlein 2'
7. Nasat 2 2/3'
8. Mixtur 4-5fach 1 1/3'
9. Trompete 8'
  Tremulant
     
II. Rückpositiv    
10. Rohrflöte 8'
11. Praestant 4'
12. Kleingedackt 4'
13. Waldflöte 2'
14. Quinte 1 1/3'
15. Sesquialter 2-fach 2 2/3'
und 1 3/5'
16. Scharff 4-fach 1'
17. Rohrschalmei 8'
  Tremulant
     
  Pedal    

18.

Subbass

16'

 

19.

Prinzipal

8'

 

20.

Flautbass

8'

 

21.

Choralbass

4'

22.

Oktavbass

2'

23.

Posaune

16'

Normalkoppeln
Original-Disposition modifiziert:
Tausch der Register 6 und 13 in 2004;
Hintersatz 4 fach 2 2/3' auf Oktave 2' reduziert in 2007
Reinigung und Neuintonation in 11/2014

 

Kleine Orgelgeschichte in St. Pankratius

Wann genau in St. Pankratius Dingden die erste Orgel eingebaut wurde, ist uns nicht bekannt. Bereits im Visitationsbericht vom 25. März 1616 protokollierte Pfarrer Heinrich von Capellen, man habe katholische Gesänge. Bis ins frühe 18. Jahrhundert hinein nahm die Orgel selbständige musikalische Aufgaben im Gottesdienst wahr. Im Ablauf der Liturgie wiederholte die Orgel Psalmen und Hymnen oder erklang im Wechsel mit der stets unbegleitet singenden Gemeinde. Die einzelnen Liedstrophen wurden durch Orgelzwischenspiele getrennt. Als nach der Reformation der Gemeindegesang an Bedeutung gewann, wurde die Orgel vom ursprünglichen Standort im Chorraum an die Westwand gestellt. Nun wurde sie größer und lauter, musste sie doch nun die singende Gemeinde in einer gefüllten Kirche führen können.

Pfarrer Bernhard Vieracker vermerkte im Kirchenbuch 1700 eine Ausgabe von 16 Daler für „Johan Wellmann als Organist so auff Osteren fällig“. Damit war der Lehrer Johan Willem Kösters gemeint. Er wurde 1686 geboren und starb 1724. Vermutlich war er einer der ersten Organisten in Dingden. Diese Orgel – vermutlich ein kleines Positiv mit vier oder fünf Registern – wird bereits einige Jahre alt gewesen sein, denn sie wird am 6. Mai 1700 repariert. Der Pfarrer zahlte dem „Orgelmacher“ 1 Daler und 6 Silbergroschen. Ein Jahr später, am 18. November erhielt der „Orgelist“ 8 Daler als Vergütung. Wie weiter zu lesen ist, wurde am 15. Mai 1701 die Orgel gestimmt. Ab 1701 erhielt der „Organisd“ Johan Willem sein Honorar auf Martini. Am 10. August 1701 wurde Jacob Nienberg als Organist erwähnt. Ihm zahlte der Pfarrer „wegen Bedienung der Orgel“ 10 Daler. Unter Pfarrer Höpken wurde 1750 der „Vorderbau“ der Orgel repariert. Das Visitationsprotokoll „Status Ecclesiae Dingdensis“ vom 24. August 1770 erwähnt den Schulmeister Henricus Kösters als Organisten. Kösters war zum damaligen Zeitpunkt 63 Jahre alt. Zugelassen und eingewiesen wurde er für beide Ämter (Lehrer und Organist) vom Archidiakon am 17. Juni 1727. Die Lehrerfamilie sorgte in der Pfarrkirche bis zum Ruhestand von Heinrich Wilhelm Kösters 1841 für die kirchenmusikalische Begleitung.

1823 begann Pfarrer Wilhelm Averesch mit der Vergrößerung der Pfarrkirche. Nach den Plänen des Bocholter Architekten Stomps begannen am 3. Juni 1823 die Erweiterungsarbeiten. Stomps beabsichtige die Orgel hinter den Hochaltar zu verlegen. Von diesem Vorhaben riet der königlichpreußische Bauinspektor Teuto aus Münster ab. Er schlug vor, sie am Turm „dem Hochaltar gegenüber“ zu belassen. 1829 reichte das Klangvolumen der inzwischen über 130 Jahre alten Orgel nicht mehr aus. Der neuen Kirche kam eine größere Klangfülle zu, indem die Orgel erneuert und vergrößert wurde. Durch den Abbruch der Empore über dem nördlichen Kirchenschiff erhielt der Innenraum mehr Licht und ein großzügigeres Aussehen. Der Kirchenraum umfasste nun 432 Sitzplätze.

1848 war schließlich das „Aus“ der alten Orgel gekommen. In diesem Jahr kaufte die Gemeinde ein neues Kircheninstrument. Auch diese Orgel war ein kleines Positiv mit vermutlich einem Manual, denn wie Pfarrer Baurichter später in der Pfarrchronik bemerkt, hatte die Orgel weder Bass noch Pedal. Von dieser Orgel ist kein Bild vorhanden. 60 Jahre lang war das Instrument im Einsatz. 1908 hatte die Orgel ausgedient. Nach dem Urteil mehrerer Sachverständigen lohnte sich eine Reparatur nicht. Anfang des Jahres beschloss man, eine neue Orgel anzuschaffen. Nach den Entwürfen des Orgelbauers Franz Breil aus Dorsten wurde innerhalb eines Monats die neue Orgel mit 16 klingenden Registern aufgestellt, am 27. September eingeweiht und zum ersten Mal bespielt. 7.200,00 Mark brachte die Gemeinde für ihr neues Kircheninstrument auf. Die alte Orgel wurde für 600,00 Mark verkauft. Organist und Chordirektor Johann Verheyen aus Rees lobte bei der Abnahme der Orgel am 24. Oktober 1908 die Gemeinde und kritisierte das Instrument „außerordentlich günstig“. Der Zeit entsprechend wird die Orgel als Instrument mit romantischem Charakter gebaut worden sein und einen warmen und grundtönigen Klang gehabt haben.

Zum 1. Oktober 1912 trat der bisherige Bälgetreter der Orgel der Pfarrkirche in den Ruhestand. Vom 14. November an wurde das Gebläse durch elektrische Energie bedient. Der Motor, der die Windmaschine in Bewegung setzte kostete einschließlich der Windmaschine und Montage 600 Mark. Motor und Windmaschine wurden von der Firma Koch et Höhmann aus Ronsdorf, Rheinland, geliefert.

1931 war dann eine neue Windmaschine nötig. Für 500,00 RM lieferte die Firma Beil diese nach Dingden. Zwei Jahre später kam es zu einer weiteren „Verbesserung“, als die mechanische Orgel pneumatisiert wurde. Pfarrer Joseph Krimphoff notierte in der Pfarrchronik: „Die Orgel wurde gereinigt und neu gestimmt. Um dem Kirchenchor Platz zu schaffen, wurde der Spieltisch, der mitten vor der Orgel stand, zur Evangelienseite gerückt.“  Die Ausreinigung der Orgel - 23 Jahre nach der Einweihung - war vermutlich längst überfällig. Für Reinigungs- und Intonationsarbeiten wurden 685,00 RM in Rechnung gestellt. Dies war die letzte Änderung an der Orgel vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Wie der Dingdener Kirchenkalender für 1939 verrät, sollte die Kirche deutlich vergrößert werden. Die Pläne des Architekten Walter Kremer aus Duisburg vom Juli 1938 sahen ein nach Osten verlängertes Kirchenschiff vor. Der Hochaltar befände sich danach ungefähr in der Mitte der Kirche. Im Zuge dieser Arbeiten sollte auch die Lage der Orgel verändert werden. Kremer plante eine neue Orgel an der Ost-Seite ein. Diese Änderungspläne wurden jedoch nie verwirklicht.

Am 25. Februar 1945 wurde die alte Pfarrkirche durch Fliegerbomben vollkommen zerstört. Nur der alte romanische Turm widerstand, wenn auch mit leichten Beschädigungen, dem militärisch unsinnigen Angriff. Dingden hatte seine gotische Kirche verloren. Das Wahrzeichen des Ortes, der Kirchturm, war dem Ort verblieben. Ihn galt es jetzt in die neue Kirche harmonisch einzufassen. Das neue Gotteshaus konnte am 4. Oktober 1950 eingeweiht werden, wurde beim Wiederaufbau allerdings „gedreht“, d. h. der Altarraum befindet sich nun im Westen.

Aus alten Teilen erstellte der Orgelbauer Breil eine „neue“ Orgel. Auf der geräumigen Ostempore fand das Instrument seinen Platz. Pfarrer Wessing machte diese Orgel der Gemeinde zum Geschenk. Diese Orgel wurde nach dem elektropneumatischem Kegelladensystem mit freistehendem Spieltisch erstellt und wies auf zwei Manualen und dem Pedal folgende Disposition auf: 

I.

Hautpwerk

 

        

1.

Rohrflöte

8'

2.

Prinzipal

4'

3.

Nasard

2 2/3'

4.

Mixtur 4-5 fach

 

 

 

 

II.

Positiv

 

5.

Lieblich Gedackt

8'

6.

Blockflöte

4'

7.

Oktave

2'

8.

Krummhorn

8'

 

 

 

 

Pedal

 

9.

Subbaß

16'

10.

Prinzipal

8'

11.

Quintade

4'

Nomalkoppeln

 

Wilhelm Ritte schrieb in der Festschrift der wiedererbauten Pfarrkirche: „Die Orgel stellt mit ihren elf Registern einen guten Anfang dar und gemahnt die Gemeinde gleichzeitig, in den nächsten Jahren ihr die ganze Klangfülle zu geben, die ihr zukommt.“

Klanglich und optisch konnte dieses viel zu kleine Instrument in der großen Pfarrkirche nicht überzeugen. Die Grenzen, die sie den Organisten setzten, machten sich immer stärker bemerkbar. Daneben sorgten auch die im Laufe der Jahre zunehmenden Störungen für den Verfall der Orgel. Weil der Gebläsemotor wegen seiner Lautstärke im Dachboden stand, wurde besonders im Winter kalte Luft angesogen. Schmutz und Staub taten ihr übriges, sodass ständige Heuler in den Kanzellen auftraten. Bereits Anfang der 1960er Jahre zeigten sich Mängel und Verschleißerscheinungen, doch sollte Dingden noch bis 1974 auf einen Wandel warten.

1972 begannen die Planungen für den Umbau bei gleichzeitiger Erweiterung der bestehenden Orgel.  Diese Pläne erwiesen sich allerdings als schwer realisierbar. Der Kirchenvorstand beschloss daraufhin im Januar 1973 den Bau einer neuen Orgel für St. Pankratius. Nach den Vorstellungen von Alfons Buttermann erstellte die traditionsreiche Orgelbaufirma Romanus Seifert & Sohn aus Kevelaer für rd. 161.000 DM das neue Werk. Am 1. Juli 1974 begann der Aufbau; ab Mitte August erfolgten die Intonationsarbeiten. Jedes Register erhielt seinen Klangcharakter unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Gesamtwirkung von Klarheit, Glanz und Fülle. Die Intonation erfolgte auf niedrigem Winddruck mit voller Windzufuhr und praktisch ohne Kernstiche. Alle Pfeifen erhielten eine deutliche und präzise Ansprache. Regionalkantor Ekkehard Stier, der das Instrument für das Generalvikariat Münster prüfte, schrieb in seinem Gutachten: "Die gute Verarbeitung, die sorgfältige Wahl des Materials und die künstlerische Intonation der Orgel sprechen dem Erbauer ein hohes Lob aus und machten es mir möglich, die Abnahme vorbehaltlos auszusprechen." Der großen Spendenbereitschaft der Dingdener war es zu verdanken, dass die Orgel bereits Anfang Oktober 1974 vollständig bezahlt war.

Am 20. Oktober fand dann die feierliche Einweihung durch Pfarrer Bernhard Austermann statt. Auf zwei Manualen und Pedal verteilen sich 23 Register. Die Schleifladenorgel mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registratur hat 1.658 Pfeifen. Zur Einweihung sang der Kirchenchor die Missa brevis in C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Domorganist Wilhelm Leenen aus Minden brachte die gesamte Fülle des neuen Instrumentes zum Ausdruck und lud nach dem Festhochamt Interessierte zur Orgelbesichtigung ein.

Das Hauptwerk (I. Manual) bildet mit dem Prinzipalchor auf 8'-Basis das klangliche Fundament. Die vier- bis fünffache Mixtur ist die Klangkrone der Orgel. Der Weitchor ist in 16', 8' und 4'-Lage vertreten. Die Trompete 8' kann solistisch und chorisch verwendet werden. Das Rückpositiv (II. Manual; benannt nach seiner Lage im Rücken des Organisten) basiert auf dem Praestant 4'. Es ist zum einen der klangliche Gegenspieler zum Hauptwerk und daneben - durch die hervorgehobene Stellung im Raum und die vorhandenen Stimmen - für Cantus-firmus-Registrierungen bei Choralbearbeitungen prädestiniert. Die Klangkrone Scharff 3-4fach bildet eine schöne Steigerung der Hauptwerksmixtur. Das Sesquialter 2fach ist in norddeutscher Bauweise ausgeführt und dadurch besonders für solistisches Spiel geeignet. Die Rohrschalmei 8' hat einen hörbaren französischen Charakter. Das Pedalwerk hat einen durchgängigen Prinzipalchor vom 8' bis zum 2'. Zusammen mit den Labialpfeifen gibt die Posaune 16' der Orgel notwendige Fundament.

Der klare Werkaufbau zeigt links das Hauptwerk, in der Mitte das Rückpositiv und rechts das Pedalwerk.

Programm der Orgelweihe zum Download