Insgesamt 26 Chöre haben am 15. März 2015 in einem zentralen Festakt von Bundespräsidenten Joachim Gauck in Celle symbolisch die Zelter-Plakette erhalten. Als einzigem Chor aus dem Bistum Münster wurde dem Kirchenchor St. Pankratius Dingden die Zelter-Plakette verliehen. Bemerkenswert – so der Chorverband – war im diesjährigen Antragsverfahren der hohe Anteil der kirchlichen Chöre, die sich um eine Verleihung der Zelter-Plakette beworben haben. Mit insgesamt 19 Chören stellen der Allgemeine Cäcilienverband (ACV) sowie der Chorverband in der Evangelischen Kirche in Deutschland (CEK) das Gros der Anträge.

Gauck führte in seiner Laudatio u.a. aus: "Vielleicht gibt es schönere Länder. Vielleicht. Aber man muss wohl lange suchen, um ein Land zu finden, in dem die Musikkultur mehr gefördert wird. Wir haben in Deutschland nicht nur die Hälfte aller Opernhäuser der Welt: Diese so genannte musikalische Hochkultur gibt es nur, weil es an der Basis, in den Dörfern und Kleinstädten und in den Stadtvierteln der Großstädte unzählige Orte gibt, an denen aktiv gesungen und musiziert wird. Freude an der Musik, Leidenschaft zum Hören der großen Werke: Das wächst meist beim eigenen Musizieren. Ginge das verloren, würde auch das Opern- und Konzertpublikum der großen Häuser langsam aber sicher schwinden."

Um einen Chor oder ein Orchester zu gründen und lebendig zu halten, sei nicht nur das Singen und Musizieren wichtig, sondern auch das Miteinander, sagte Gauck. "Es ist doch vor allem das Land, in dem Menschen leben, die einander zugetan sind und die nicht nur für sich allein, sondern für die Gemeinschaft etwas tun und für den Nächsten, um ein altes Wort zu gebrauchen. Und das tun sie auf vielfältige Weise: zum Beispiel indem sie miteinander musizieren, füreinander singen und ihre Instrumente klingen lassen. In unserem Land gibt es viele tausend Chöre und Orchester, und wir sehen daran, wie in diesem Land das Engagement der Einzelnen und der vielen engagierten Gruppen lebt. Es ist dieser Geist des ehrenamtlichen Einsatzes für andere, der ein Dorf, eine Stadt und das ganze Land in so besonderer Weise schmückt."

Allen nordrhein-westfälischen Chören überreichte Bernd Neuendorf, Staatssekretär des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, am 4. Mai 2015 im Neusser Zeughaus die hohe Auszeichnung. Er fand die Dauer von 100 Jahren eine beachtliche Leistung, schließe diese historische Spanne doch immerhin das Arbeiten in einer Monarchie, in einem totalitären System und in zwei parlamentarischen Demokratien ein. Tradition aber dürfe nicht nur als retrospektiver Wert verstanden werden, so mahnte der Staatssekretär, sondern sie verpflichte auch, mit dem Willen zum Wandel in die Zukunft zu gehen und die Gesellschaft mitzugestalten.

Da eine Delegation des Dingdener Chores diesen Termin leider nicht wahrnehmen konnte, wird die Zelter-Plakette zu einem späteren Zeitpunkt übergeben. Ein genauer Termin hierfür wird noch festgelegt.

Die Zelter-Plakette ist benannt nach dem Musiker Carl Friedrich Zelter (1758 – 1832), der großen kulturpolitischen Einfluss hatte und als Pionier der Laienchorbewegung gilt. Sie wurde im Jahr 1956 "als Auszeichnung für Chorvereinigungen, die sich in langjährigem Wirken besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes und damit um die Förderung des kulturellen Lebens erworben haben" von Bundespräsident Theodor Heuss gestiftet. Damit ist sie das weltliche Pendant zur Palestrina-Medaille, die im katholischen Bereich für 100-jährige kirchenmusikalische Tätigkeit verliehen wird.